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Die Sage von Adelheid von Roth
und der Adelheidsquelle beim Krumbad nach Dominikus Ringeisen Hiltipold von Krumbenbach baute im Jahre 1145 in der Nähe des heutigen Krumbachs auf einem Berge ein Schloss und zwar da, wo heute das Krumbad steht und nannte es nach seinem Namen Hiltipoldsburg, im Volksmunde Hilpelsberg. Hiltipoldsburg und Hürben (heute der östliche Teil Krumbachs) kamen einige Zeit danach an die Ritter von Ellerbach, die auch Krumbach an sich brachten. Dieses Rittergeschlecht stand während der Mitte des 14. Jahrhunderts in voller Blüte. Ritter Ulrich von Ellerbach, der zugleich Burgauischer Landvogt war, zeichnete sich durch alle ritterlichen Tugenden aus und war zusammen mit dem Edlen Johann von Roth, dessen Veste im bayerischen Rottale, im heutigen Dorfe Oberroth stand Hort und Zuflucht aller welche vom damaligen Raubrittertume bedrückt wurden. Der Edle von Roth hatte eine einzige Tochter, Adelheid, die uns als Perle der damaligen schwäbischen Ritterfamilien geschildert wird, gleich schön an Leib und Seele, strahlend im Glanze heiliger Unschuld und Reinheit, ein Muster wahrer, kernhafter Frömmigkeit, ein Spiegel der Gottesfurcht und Gottesliebe, weithin bekannt durch ihre zärtliche Sorgfalt für die Armen, Kranken und Verlassenen. Nach dem Tode des Edlen Johann von Roth führte Ulrich die Adelheid im Jahre 1389 als seine Gemahlin nach Hiltipoldsburg. Die gegenseitige Liebe und Treue machten das neue Heim zum irdischen Paradiese einer glücklichen Ehe. Drei Viertel Jahre waren so dahingeschwunden, als Ulrich Ende Mai 1390 zu einem Turnier nach Mattsies bei Mindelheim sich begab. Der Abschied war ein überaus herzlicher und baldiges Wiederkommen zur ausdrücklichen Bedingung gemacht und angenommen. Ulrich kam glücklich in Mattsies an und brachte den Tag über in ganz besonderer Fröhlichkeit zu. Bis tief in die Nacht hinein dauerte das freundschaftliche Gelage. Bange Ahnungen beschlichen indes schon nach einigen Stunden des Abschieds das treue Herz der edlen Adelheid und diese wurden durch einen schrecklichen Traum in der darauffolgenden ersten Nacht noch mehr erhöht. Im Schweiße gebadet und laut aufschreiend erwachte sie aus demselben in der Frühe. Sie hatte gesehen, wie ihr Gatte mit einer Mordwaffe auf sie eindrang, worauf sie selbst in Feuersäulen versank. Glühend fing sie an zu beten und kleidete sich dann an zum Gottesdienste. Es war heute der Sterbetag ihres teuren seligen Vaters, für den der erste Jahrestag gehalten werden sollte. Tief in Trauer gehüllt, das silberne Kreuz auf der Brust, das die sterbende Mutter ihr einst um den Hals gehängt hatte, eilte sie der Burgkapelle zu; es sollte ihr Sterbekreuz- lein werden. Nie in ihrem Leben hatte sie einen solchen unbeschreiblichen Antrieb zum Beten empfunden und niemals bisher konnte sie so innig ihre ganze Seele in innigem Gebete in das Vaterherz Gottes ausgießen, wie heute. Es war ihr Sterbegebet, das sie selbst verrichtete. Der Gottesdienst war vorüber und sie hatte ihr Trauergewand noch nicht ausgezogen, da wurde ihr die Ankunft ihres Gemahls angezeigt. In gestrecktem Galoppe und mit verhängten Zügeln sprengte er auf die Hiltipoldsburg zu, aber nicht getrieben von Liebe, wie sich hätte erwarten lassen, sondern gehetzt von unbeschreiblichem Rachefeuer, welches die Eifersucht in ihm entzündet hatte, war ihm ja durch einen wie er glaubte treuen Diener die Treue Adelheids aufs Allerschwerste verdächtigt worden. Als ihm darum Adelheid voll Jubel über seine unerwartete Ankunft und über die wie sie jetzt glaubte glänzende Widerlegung ihrer schweren Ahnungen entgegen eilte, rief er schon im Abspringen vom Pferde wie ein Rasender Tod der Ehebrecherin! und mit gezücktem Schwert begann er auf sie einzudringen. Sofort erfasste Adelheid den ganzen Ernst ihrer Lage; mit einem Mark und Bein durchdringenden Hilferuf zu Gott eilte sie der nahegelegenen Scheune zu und entrann glücklich in dieselbe. Der Wütende war ebenso rasch mit sich im Reinen, was er jetzt tun wollte. Er verriegelte die Scheune, zündete sie auf drei Stellen an, in der unmenschlichen Absicht, seine Gemahlin lebendig zu verbrennen, zog sich dann auf den Söller der Burg zurück, um von da aus dem grauenhaften Schauspiel zuzusehen und verließ denselben erst, nachdem das Holzgebäude vollständig niedergebrannt war. Ein Anblick, den er auch in seinem ganzen Leben nie mehr vergessen konnte. Solange er lebte, bis sein Auge im Tode brach, verließ ihn diese schauerliche Feuerstelle nie mehr. Bald indessen vermochte er dieses Feuer-, Schutt- und Aschegrab mit seinen furchtbaren Erinnerungen nicht mehr vor Augen zu haben und ließ deshalb am dritten Tag die Brandstätte abräumen. Einen überwältigenden Eindruck machte nun aber auf ihn die Nachricht, man habe die Burgfrau gefunden ohne die geringste Verletzung weder am Kleide noch am Leibe, mit dem silbernen Kruzifix in den Händen, mit zum Himmel gerichteten, gebrochenen Augen. Da erwachte in ihm wieder die alte Liebe zu derjenigen, die er immer unsäglich hochgeachtet hatte, solange er die Rothburg besuchte, mit welcher er erst kürzlich am Traualtare gestanden und die ihn bisher so überaus glücklich gemacht. Der Gedanke an die Güte Gottes, die seine Adelheid wunderbar vor Glut und Asche bewahrt und dem Feuer die Gewalt genommen hatte, sie zu verletzen, machte ihm einen tiefernsten Vorwurf über seine eigene Unbarmherzigkeit und Grausamkeit, womit er in solcher Weise gewütet hatte. Er erteilte darum den Befehl, Adelheid in der Klosterkirche zu Wettenhausen an der Kammel in der Gruft seiner Ahnen zu begraben. Doch jetzt begann erst ein freudloses, ein trübes, ein unerträgliches Leben. Als die Brandstätte vollends abgeräumt wurde, fand man an jenen Stellen, an denen die Scheune angezündet worden war, drei starke Quellen, die bald einen großen Teich und Weiher bildeten. Was aber in der Seele des unglücklichen Ulrich vorging, lässt sich mit menschlichen Worten nicht beschreiben. Das erste war, dass er sein Ross satteln ließ und wieder ging es im Galopp dahin. Mit verhängten Zügeln, ohne auszusetzen, stürmte er Wettenhausen zu, zum Grabe seiner unschuldigen Adelheid. Dort stürzte er auf den Sarkophag hin, umklammerte ihn krampfhaft, brach in einen Strom von Tränen aus und rief viele tausendmal um Verzeihung in den Sarg hinein. Nur mit Gewalt konnte er, beinahe erstarrt, vom Grabe entfernt werden. Er wollte auf demselben sterben. Und er muss Verzeihung erhalten haben. Zu allererst leistete er der tiefgekränkten Familie von Roth möglichste Genugtuung und erhielt auch von da aufrichtigste Verzeihung. Dann begann er das strengste Bußleben. Gott allein weiß, was er getan und gelitten und geopfert, um Sühne zu leisten. Er ließ auch im Kloster Wettenhausen zu Ehren der Heiligen Adelheid eine eigene Kapelle bauen und seine Adelheid darin bestatten, wie die Wettenhauser Archivalien bezeugen. Ständig nahm er aber ab in all seinen Kräften, obwohl er noch in der Vollkraft des männlichen Alters stand und vor kurzem noch eine herrliche ritterliche Erscheinung gewesen und starb auch bei einem solchen Wallfahrtsgange in Wettenhausen 1397, wie es die Überlieferung auf dem Grabe Adelheids besagt. Alle Chronisten ohne Ausnahme erzählen die Entstehung des Krumbades wesentlich auf gleiche Weise. Alle erzählen die Eifersucht Ulrichs, den Mord der Adelheid durch Brand, das wunderbare Entstehen der Quellen und dadurch des Bades. Das Bad wurde unter dem Namen Adelheidsquelle, besonders aber als Krumbad weithin bekannt. Heute ist es der Krumbader Badstein, der täglich vielfach als Heilmittel verabreicht wird. |
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